Exzessive private Verschuldung Grund für Finanzkrise

10. Februar 2014

Laut Adair Lord Turner of Ecchinswell, Senior Fellow am Center for Financial Studies (CFS) und am Institute for New Economic Thinking, hat exzessive private Verschuldung zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen und ist der Hauptgrund für die langsame Erholung nach der Krise. Um die Krise zu bekämpfen, seien bisher jedoch vor allem Maßnahmen ergriffen worden, die sich auf die öffentliche Verschuldung konzentrierten und nicht auf die private Schuldenaufnahme. Turner hält die aktuell umgesetzten Reformen zwar für wichtig, sieht das Problem der steigenden privaten Verschuldung, das die Stabilität der Wirtschaft und des Finanzsystems gefährde, aber noch nicht gelöst. Turner erläuterte seine Position am 10. Februar im Rahmen eines Vortrags am CFS mit dem Titel „Escaping the debt addiction: monetary and macro-prudential policy in the post crisis world”.

„Vor 2008 ist die private Kreditaufnahme in den Industrieländernmehrere Jahrzehnte lang schneller gewachsen als das BIP und der Leverage deshalb gestiegen. Diese Entwicklung war ein wesentlicher Auslöser der Krise und der Hauptgrund dafür, dass die Rezession nach der Krise so tief war und die Erholung nur langsam voranging“, sagte Turner. Seit der Krise hätten verschuldete private Haushalte und Unternehmen ihre Konsum- und Investitionsausgaben reduziert, um ihre Schulden abzubauen. Dadurch habe sich das Wachstum verlangsamt und die öffentlichen Schulden seien gestiegen.

Laut Turner bestehe das Dilemma darin, dass viele eine zusätzliche Kreditaufnahme für nötig halten, um das Wachstum zu steigern. Die Frage sei jedoch, ob ein stabiler Wachstumspfad überhaupt möglich sei oder ob Wachstum nicht zwangsläufig zu gefährlicher Instabilität führe. Turner ist der Ansicht, dass stabiles Wachstum möglich sei, aber dafür neue politische Ansätze gebraucht würden, die weit über die bisher eingeführten Reformen hinausgingen. Drei Faktoren haben seiner Meinung nach dazu geführt, dass das Wachstum heute verstärkt auf Krediten basiert: 1) die steigende Ungleichheit zwischen Arm und Reich, 2) globale Ungleichgewichte, teilweise getrieben durch strukturbedingte Tendenzen zu exzessivem Sparen in einigen Überschussländern und 3) ausgedehntes Kreditwachstum zur Finanzierung bereits vorhandener Wirtschaftsgüter (insbesondere Immobilien), deren Preise endogen durch die Menge der zusätzlichen Kredite beeinflusst werden. Turner betonte, dass zukünftige Finanzreformen jeden dieser drei Faktoren berücksichtigen müssten, um die Stabilität wiederherzustellen.