Eine radikale Reform der Eurozone

04. März 2015

Am 26. Februar 2015 hielt Adair Lord Turner of Ecchinswell, Senior Fellow am Center for Financial Studies (CFS) und am Institute for New Economic Thinking, einen Vortrag im Rahmen der CFS Colloquiums-Reihe. Er vertrat die These, dass eine exzessive private Verschuldung zur Finanzkrise beigetragen habe und Grund für die nur langsame Erholung sei. Seiner Meinung nach seien tiefgreifende Reformen in der Eurozone notwendig, da es immer noch Defizite bei Regeln und Zuständigkeiten gebe.

Übermäßiges Kreditwachstum führt zu Krisen

Laut Turner ist es ein Dilemma, dass die Kreditvergabe schneller als das nominale BIP wachsen muss, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, da ein übermäßiges Kreditwachstum finanzielle Instabilität erzeugt und zu Krisen führt. Regierungen haben, so Turner, vier Möglichkeiten um ihre Schulden zu reduzieren: 1) Schuldenabschreibung, -ausfall oder -restrukturierung; 2) Schuldenabbau durch Inflation oder Monetarisierung; 3) anhaltendes schwaches Wachstum und geringe Deflation; oder 4) Ankurbeln der Kreditvergabe.

Wie kann die nominale Nachfrage erhöht werden?

Turner erklärte, dass, wenn ein Inflationsziel von 2% auch in Zukunft als wünschenswert angesehen werde, die nominale Nachfrage um rund 4% jährlich wachsen müsse. Regierungen hätten drei Möglichkeiten, um die nominale Nachfrage zu erhöhen. Die erste Option sei, Kredite und Geld zu schaffen – mit dem Risiko, dass das Finanzsystem instabiler wird. Zweitens könnten Regierungen ihr Haushaltsdefizit durch Schulden erhöhen, aber dann seien später Haushaltskonsolidierungen oder Monetisierungen notwendig, so Turner. Als dritte Möglichkeit könnten Regierungen ihr Haushaltsdefizit über Zentralbankgeld vergrößern. In diesem Fall würde die Zentralbank neues Geld an den privaten Sektor ausgeben („Helicopter Money“), das dann direkt in den Einkommensstrom fließt. Laut Turner ist diese Maßnahme am effektivsten, da sie die nominale Nachfrage immer erhöht. Allerdings warnte er davor, diese Möglichkeit zu häufig zu nutzen, was zu einer Hyperinflation führen würde.

Strengere Regeln für den Euroraum

Außerdem sprach sich Turner dafür aus, durch neue Regeln im Euroraum die Entstehung von Krediten im Privatsektor besser zu kontrollieren. Dies würde nicht nur dazu beitragen, den Finanzsektor zu stabilisieren, sondern auch die Wachstumsrate und die Höhe der privaten Verschuldung beschränken. So forderte er sehr viel strengere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken als in Basel III bisher vorgesehen. Er vertrat außerdem die Ansicht, dass die öffentlichen Defizite in den Euro-Ländern stärker durch politische Regelungen beschränkt werden sollten. Die Marktdisziplin allein sei nicht ausreichend, um die Staatschulden zu kontrollieren.

Turner kritisierte zudem, dass ein großer Teil der Schulden in der Eurozone auf Ebene der Nationalstaaten gehalten wird und dass national ausgerichtete Banken oft große, wenig diversifizierte Portfolios mit nationalen Staatsschulden halten. Im Fall einer nationalen Schuldenkrise könnte dies ein Risiko im Finanzmarkt darstellen. Turner forderte deshalb, Banken zu verbieten, Staatschulden ihres eigenen Landes zu halten. Generell ist er der Ansicht, dass die meisten Schulden auf Ebene des Euroraums gehalten werden sollten und damit gleichzeitig eine risikofreie Anlage für Banken darstellen sollten.

  • Die Präsentation zum Vortrag kann hier heruntergeladen werden