Martin Feldstein über die unkonventionelle Geldpolitik der FED

03. November 2015

Am 29. Oktober hielt Martin Feldstein, Professor an der Harvard University und Präsident Emeritus des National Bureau of Economic Research, auf Einladung von CFS-Präsident Otmar Issing einen Vortrag in der CFS Presidential Lectures-Reihe. Feldstein sprach über die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen der amerikanischen Notenbank (FED) nach der Krise im Jahr 2007. Er warnte davor, dass diese Geldpolitik und die daraus resultierenden extrem niedrigen Zinsen die Finanzstabilität in Zukunft gefährden könnten.

Die Rezession nach der Krise im Jahr 2007 habe sich von üblichen konjunkturellen Abschwüngen unterschieden, so Feldstein. Klassische geldpolitische Instrumente hätten daher nicht ausgereicht, um der Rezession entgegenzuwirken. Aus diesem Grund sei der Versuch der FED, die negativen Auswirkungen mit einer Senkung der kurzfristigen Zinsen einzudämmen, gescheitert mit der Folge, dass sich die Krise nach Europa ausgebreitet hat. Da die Geldpolitik nicht wirkte, verabschiedete die amerikanische Regierung im Jahr 2009 ein umfangreiches Konjunkturprogramm. Feldstein vertrat die Ansicht, dass dieses Programm jedoch nicht ausreichend war, um zu einer langfristigen Erholung der Wirtschaft beizutragen. Die FED habe sich daraufhin entschieden, unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen einzuführen, wie zum Beispiel „Quantitative Easing“, und zugesagt, die kurzfristigen Zinsen für einen längeren Zeitraum niedrig zu halten. Diese Maßnahmen seien sehr erfolgreich gewesen und hätten zur Erholung der Wirtschaft beigetragen.

Gleichzeitig warnte Feldstein aber auch vor möglichen negativen Folgen. Die unkonventionelle Geldpolitik der FED habe zur Entstehung verschiedener Risiken in den Finanzmärkten geführt, die die Finanzstabilität gefährden könnten, wenn die Zinsen wieder normalisiert werden. Beispielsweise veranlassten die niedrigen Zinsen Anleger und Kreditgeber dazu, nach Alternativen zu suchen, um ihre Renditen zu erhöhen, und deshalb höhere Risiken bei ihren Investitions- und Kreditentscheidungen einzugehen, so Feldstein. Diese erhöhte Risikobereitschaft führe zu einer Fehlbewertung von Vermögenswerten, aus der sich Probleme ergeben könnten, wenn die FED die Zinsen wieder normalisiert.

Feldstein sprach sich dafür aus, die Zinsen in den USA schrittweise und nachvollziehbar zu erhöhen. Ihm zufolge sei dieses Vorgehen besser geeignet als ein schneller und unerwarteter Anstieg. Allerdings gebe es keine Garantie dafür, dass die Anpassung reibungslos verlaufe. Feldstein schloss damit, dass in Zeiten schwerer Krisen wie im Jahr 2007 eine Kombination aus einer aufkommensneutralen Fiskalpolitik und klassischen geldpolitischen Instrumenten sehr wahrscheinlich besser funktionieren würde als unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen.