CFS-Index bricht ein wie nie zuvor

30. April 2020

Finanzbranche erwartet extremen Umsatz-, Ertrags- und Investitionsrückgang für das laufende Quartal / Dienstleister erwarten erstmals seit 2009 wieder einen Stellenabbau

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, bricht um 15,4 Punkte ein auf 98,8 Punkte. Dies ist der stärkste jemals gemessene Rückgang seit Beginn der Index-Erhebungen im Jahr 2007. Erstmals seit 2009 wird damit wieder ein negatives Niveau unter dem neutralen Stand von 100 Punkten erreicht. Insbesondere die Erwartungen der Finanzbranche haben sich für das laufende Quartal verdüstert. Es wird mit enormen Umsatz-, Ertrags- und Investitionseinbrüchen gerechnet, wobei besonders die Dienstleister einen extremen Rückgang bei den Umsätzen und Erträgen und nun auch einen Stellenabbau erwarten. Der seit längerem anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute bleibt hingegen nahezu konstant, für das laufende Quartal wird kein so starker Einbruch erwartet wie bei den anderen Indexwerten.

„Eine derart starke Verdüsterung der Erwartungen in der Finanzindustrie hinsichtlich aller gemessenen Leistungszahlen – Umsatz, Ertrag, Mitarbeiter, Investitionen — hat es seit Beginn der Erhebung im Jahre 2007 nicht gegeben, auch nicht während der Finanzkrise 2008. Es scheint daher wichtig, dass bei allen Corona-induzierten Rettungs- und Wiederaufbaumaßnahmen die Auswirkungen auf die Finanzstabilität höchste Aufmerksamkeit erfährt – zumal wir nun ein Aufsichtsregime geschaffen haben, das einen pauschalen Bailout erschwert“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

 

 

Bedingt durch die Corona-Krise, wird auch die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland verstärkt rückläufig eingeschätzt. Der entsprechende Wert sinkt um 5,8 Punkte auf 111,2 Punkte und befindet sich nun auf einem so niedrigen Niveau wie zuletzt im Jahr 2012. Dieser Rückgang liegt verstärkt in der Einschätzung der Dienstleister begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe befindet sich mit 113,7 Punkten 7,8 Punkte unter dem Stand des Vorquartals. Die Beurteilung der Finanzinstitute sinkt um 3,6 Punkte auf 108,8 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Der Einbruch bei der Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland ist der Unsicherheit und dem noch nicht klar absehbaren Verlauf der globalen Corona-Pandemie geschuldet. Tatsächlich gilt Deutschland als Vorreiter im Umgang mit der aktuellen Krise. Die Bundes- und Landesregierung kann auf eine leistungsfähige Finanzwirtschaft zurückgreifen und den milliardenschweren ´Corona-Schutzschild für Deutschland´ binnen kürzester Zeit auf den Weg bringen, ohne dabei negative Reaktionen an den Kapitalmärkten auszulösen.“

Finanzbranche erwartet enorme Umsatz-, Ertrags- und Investitionseinbrüche für das laufende Quartal

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister melden einen deutlichen Rückgang ihrer Umsätze bzw. ihres Geschäftsvolumens im ersten Quartal 2020. Der entsprechende Indexwert verringert sich im Vergleich zum Vorquartal bei den Finanzinstituten um 8,2 auf 112,4 Punkte bzw. um 13,8 auf 108,6 Punkte bei den Dienstleistern. Beide Branchen liegen mit dieser Meldung für das erste Quartal aber immer noch nur 2,6 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Jedoch erwartet die Finanzbranche für das laufende Quartal den stärksten Umsatzeinbruch seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007 und einen Indexwert von weit unter 100 Punkten.

Die Erträge beider Gruppen entwickeln sich im ersten Quartal 2020 analog zu den Umsätzen. Der entsprechende Sub-Index erreicht bei den Finanzinstituten mit einem Rückgang um 8,0 Punkte einen Wert von 103,3 Punkten und befindet sich immerhin noch 2,3 Punkte über dem Stand des Vorjahres. Die Dienstleister verzeichnen einen extremen Rückgang des Ertragswachstums. Der Sub-Index sinkt um 16,4 Punkte auf 106,4 Punkte, was aber für das erste Quartal immer noch annähernd dem Stand des Vorjahres entspricht. Jedoch wird auch für die Erträge für das laufende Quartal ein außergewöhnlich starker Einbruch bis weit unter 100 Punkte erwartet.

Wachstum des Investitionsvolumens nun unter dem Vorjahresniveau

Auch das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzbranche ist im ersten Quartal 2020 gesunken, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die Umsatz- und Ertragswerte. Der entsprechende Sub-Index verringert bei den Finanzinstituten um 6,9 auf 101,8 Punkte und bei den Dienstleistern um 4,5 auf 108,1 Punkte. Die Finanzinstitute liegen nun 10,2 Punkte und die Dienstleister 6,7 Punkte unter deren Vorjahresniveau. Für das laufende Quartal rechnet die Finanzbranche mit einem kräftigen Investitionsrückgang auf ein Niveau von deutlich unter 100 Punkten. Der Rückgang der Investitionen fällt jedoch bei den Dienstleistern weniger stark aus, als die extremen erwarteten Umsatz- und Ertragsrückgänge dieser Branche.

Finanzinstitute: Stellenabbau im ersten Quartal nahezu konstant - für das laufende Quartal kein so starker Einbruch erwartet wie bei den anderen Indexwerten / Dienstleister: Erstmals seit 2009 wird wieder ein Stellenabbau erwartet

Der seit längerem anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute fällt im ersten Quartal 2020 geringer aus als im Vorquartal. Der Mitarbeiter-Sub-Index steigt entsprechend um 0,7 Punkte auf 95,2 Punkte und liegt somit nur 1 Punkt unter dem Vorjahresstand. Die Dienstleister stellten im ersten Quartal 2020 zwar weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen, liegen aber kaum unverändert im positiven Bereich. Der entsprechende Sub-Index verweilt mit -0,6 Punkten bei 105,5 Punkten. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute zwar mit einem steigenden Rückgang der Mitarbeiterzahlen, jedoch weniger drastisch als die erwarteten Rückgänge der anderen Indexwerte. Hingegen erwarten die Dienstleister erstmals seit dem Jahr 2009 wieder einen Stellenabbau.

Wir danken Frankfurt Main Finance e.V. für die finanzielle Förderung des Projekts.

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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Sabine Kimmel
Center for Financial Studies
House of Finance
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: kimmel(at)ifk-cfs.de