Axel Weber: Bankenunion birgt Chancen und Risiken

16. September 2014

Axel A. Weber, CFS Senior FellowDie Finanzkrise hat zu einem Umbruch in der Bankenbranche geführt und eine strengere Regulierung des Bankensektors eingeleitet. Das veränderte Umfeld stelle Banken vor neue Herausforderungen, sagte Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der UBS AG, bei einem Vortrag am Center for Financial Studies. Banken sollten proaktiv auf die neuen Regulierungsvorhaben reagieren, ihre Geschäftsmodelle und Bilanzen anpassen. Die Schaffung der Bankenunion sei, so Weber, eines der wichtigsten Zukunftsprojekte der EU. Der ehemalige Bundesbankpräsident sprach auf Einladung von CFS-Präsident Otmar Issing im Rahmen der CFS Presidential Lecture Reihe am 10. September an der Goethe-Universität Frankfurt.

Bankenunion kein Garant für Stabilität und Wachstum

Insgesamt bewertet Weber die Bankenunion positiv. Sie könne dazu beitragen, die enge Verknüpfung zwischen Mitgliedsländern und „ihren“ Banken aufzulösen und der Fragmentierung des Bankensektors in der Eurozone entgegenzuwirken. Die Einführung des einheitlichen Abwicklungsmechanismus und der Aufbau des einheitlichen Abwicklungsfonds führten zum Beispiel dazu, dass Abwicklungsentscheidungen in Zukunft auf europäischer und nicht auf nationaler Ebene getroffen werden, erklärte Weber. Durch den gemeinsamen Abwicklungsfonds könne das Länderrisiko besser vom Bankenrisiko getrennt werden.

Gleichzeitig mahnte Weber, dass die Bankenunion allein nicht alle Probleme der Eurozone lösen könne und auch Risiken berge. Wichtige Elemente, wie etwa die Einlagensicherung, aber auch die Finanzpolitik blieben vorerst auf nationaler Ebene. Außerdem sei eine erfolgreiche Bankenunion noch kein Garant für Stabilität und Wachstum in der Eurozone. In den Mitgliedsländern müssten parallel weitere Strukturreformen umgesetzt werden. Viele Länder hätten beispielsweise noch zu hohe Arbeitskosten, was ihre Wettbewerbsfähigkeit schwäche. Weber warnte auch, dass die derzeit gute wirtschaftliche Situation Deutschlands nicht fehlinterpretiert werden dürfe. Auch hier seien Reformen notwendig. Deutschland verdanke seine gute Konjunktur vor allem auch dem relativ billigen Euro, der durch das schwache wirtschaftliche Umfeld in anderen europäischen Ländern bedingt ist und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportbranche "künstlich" verbessert habe. Dies könne sich aber auch jederzeit wieder ändern.

Europa ist „overbanked“

Ein wichtiger Baustein beim Aufbau der Bankenunion sei die umfassende Überprüfung der Bankbilanzen, sagte Weber. Die Ergebnisse des Asset Quality Review, dessen Veröffentlichung für Ende Oktober erwartet wird, könnten es Investoren erleichtern, Banken auch über Ländergrenzen hinweg zu vergleichen. Weber hält die groß angelegte Prüfung aber auch für heikel, denn sie könnte die Krise wieder verstärken, wenn viele Banken die Prüfung nicht bestehen und neues Kapital aufnehmen müssen. Außerdem müssten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, die verhinderten, dass es zu Spekulationen zu Lasten einzelner Banken kommt. Weber kritisierte zudem, dass große Banken allgemein als problematisch eingestuft würden. Wichtiger als die Größe einer Bank sei aber, wie diversifiziert sie ist. Laut Weber gibt es Belege dafür, dass stärker diversifizierte Banken generell besser durch die Krise gekommen sind.

Für die Banken in der Eurozone sei es schwierig, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ihre Kapitalquoten aus eigener Kraft, z.B. durch Einbehalten der Gewinne, zu erhöhen. Die niedrigen Zinsen setzten die Margen der Banken unter Druck, erklärte Weber. Die Konkurrenz unter den Banken in Europa sei groß, da es hier zu viele Finanzinstitute gebe: „Europa ist overbanked“. Weber glaubt, dass es gerade bei Banken, die stark im Retail-Bereich tätig sind, zu Umstrukturierungen kommen wird und vor allem kleinere Banken in der Eurozone in Zukunft häufiger fusionieren könnten.