Beiträge zur Theorie der Finanzmärkte

Frankfurt 1996

 

 

Aus dem Vorwort:

Seit dem Ende 80er Jahre hat sich auch in Europa der Wettbewerb zwischen regionalen und nationalen Börsenplätzen dramatisch verschärft. Das vielleicht bedeutendste Kriterium zur Leistungsfähigkeit von Wertpapiermärkten ist die Liquidität. Hohe Liquidität bedeutet, dass ein Investor jederzeit Wertpapiere kaufen oder verkaufen kann, ohne dass es zu gegenläufigen Kursreaktionen kommt. Anleger bevorzugen in diesem Sinne liquide Märkte, denn dort sind die Kosten einer kurzfristigen Liquidation niedrig. Aus der Sicht der Emittenten sind liquidere Märkte ebenfalls erstrebenswert, weil sie die Kapitalkosten verringern. Entsprechend bemühen sich Börsen insbesondere durch die Wahl der Handelsorganisation, der Produktgestaltung und der Marktsegmentierung um eine Struktur, die zu hoher Liquidität beiträgt. Wie aber misst man Liquidität? In der vorliegenden Studie, die als Diplomarbeit am finanzwirtschaftlichen Lehrstuhl der Universität Giessen entstanden ist, werden die heute gebräuchlichen Liquiditätskonzepte einschließlich ihres theoretischen Hintergrundes erläutert. Besondere Beachtung findet der Vergleich volumenorientierter Maße mit solchen, die den impliziten Spread zwischen Geld- und Briefkurs zu erfassen suchen. Es gelingt der Verfasserin auf diesem Wege, die Menge tatsächlich geeigneter Maße erheblich einzuschränken. Für diese (sinnvollen) Maßnahmen werden nicht nur die formalen Herleitungen, sondern auch die für einen Umsetzung notwendigen Rechentechniken im Detail erläutert und am Beispiel deutscher Kapitalgesellschaften auch empirisch angewendet. Dabei gerät das Gesamtziel der Untersuchung, die Auswahl geeigneter Verfahren zum Vergleich der Liquidität von Wertpapiermärkten, an keiner Stelle aus dem Blick. Die Liquidität von Wertpapiermärkten wird maßgeblich von ihrer Organisationsstruktur beeinflusst. Werden Papiere im fortlaufenden Handel oder zu gerechten Kursen getauscht? Sind Makler oder Market Maker bei dem Zustandekommen von Geschäften beteiligt? Werden kleine und große Order in eigenständigen Marktsegmenten (Blocktrading) gehandelt? Ist die Überwachung von potentiellen Orderbuch-Insidern mehr oder weniger streng geregelt? Diese und weitere institutionellen Faktoren beeinflussen letztendlich das Handelsverhalten der Marktteilnehmer und damit auch die gemessene Liquidität. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die institutionellen Gegebenheiten, die wir an der Frankfurter Wertpapierbörse vorfinden. Werden dagegen unterschiedliche Marktformen hinsichtlich der Liquidität miteinander verglichen, so sind auch die angesprochenen institutionellen Unterschiede zu berücksichtigen. Hier ist zusätzlicher Forschungsbedarf zu erkennen. Die eigentliche Liquiditätsbemessung allerdings wird sich auch für zukünftige Arbeiten an in dieser Arbeit beschriebenen Verfahrensweisen orientieren können.

 

Eine Kopie dieser Broschüre ist beim Center for Financial Studie erhältlich.