Monographien

Frankfurt 1982

Aus dem Vorwort:

Die siebziger Jahre werden nicht nur als das Jahrzehnt der Ölkrise, sondern auch als ein Jahrzehnt extrem hoher und schwankender Zinssätze in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Mit dem öffentlichen Interesse an der Höhe der Zinsen wurde aber auch die Bedeutung der Zinsstruktur entdeckt, d.h. die unterschiedliche Höhe und Abhängigkeit der Zinssätze von der Laufzeit. So sind "normale" und "inverse" Zinsstrukturen, d.h. mit zunehmender Laufzeit steigende oder aber abnehmende Zinssätze, in zunehmendem Maße Gegenstand des Interesses und der Diskussion. Vor diesem Hintergrund ergab sich die Aufgabenstellung für diese Arbeit. Die Frage, ob die Zinshöhe einen Einfluß auf die Wahl der Laufzeit hat, wird meist als plausibel erachtet. Es erscheint daher reizvoll, einmal den entgegengesetzten Zusammenhang zu untersuchen und danach zu fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen Laufzeitstruktur und Zinsstruktur gebe. Dieses Problem ist keineswegs nur von akademischer Bedeutung, denn wenn es gelänge, einen Zusammenhang dieser Art festzustellen, dann könnte es gelingen, die Zinsstruktur, d.h. die Höhe der Zinssätze nach ihrer Laufzeitabhängigkeit, durch eine entsprechende Strukturierung der Laufzeiten zu beeinflussen. Praktische Bedeutung erhält dieses Problem durch das infolge rasch steigender staatlicher Kreditnahme unvermeidlich gewordene Debt Management der öffentlichen Hand. Besonders für das Bundesfinanzministerium, dessen Kreditnahme sich über das gesamte Laufzeitspektrum des Geld- und Kapitalmarktes erstreckt, ist die Möglichkeit eines laufzeitinduzierten Einflusses auf die Zinssätze Von erheblicher wirtschafts- und finanzpolitischer Bedeutung. Aber auch für die Zentralbank, obwohl ihr nach dem Gesetz nur der Geldmarkt als Aktionsfeld zugewiesen wurde, ist die mögliche Wechselwirkung zwischen einer mengenmäßigen Besetzung der Laufzeiten und einer davon bewirkten Veränderung der Zinsstruktur von erheblicher Bedeutung; falls es diesen Zusammenhang gibt. Die vorliegende Untersuchung kommt aufgrund ökonometrischer Recherchen zu dem Ergebnis, daß in dem beobachteten Zeitraum (April 1973 bis September 1976) keine nennenswerten Einflüsse von einer Veränderung der Laufzeitstruktur auf die Zinsstruktur beobachtet werden können. Dem steht allerdings nicht entgegen, daß in umgekehrter Richtung eine engere Beziehung besteht und das Zinsspektrum einen Einfluß auf die Gestaltung der Laufzeiten ausübt. Die Zinsstruktur ihrerseits wird, wie vielfach angenommen, vorwiegend durch Zinserwartungen und nicht durch Variationen der Laufzeit bestimmt. Das Fazit der Untersuchungen lautet demnach: Die Laufzeiten bestimmen nicht die Zinssätze, sondern die Zinssätze die Laufzeiten, wobei die Zinskurve vor allem von Zinserwartungen abhängt.

 

Veröffentlicht im Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main. Dieser Band ist vergriffen, kann aber gerne in der Bibliothek des Center for Financial Studies eingesehen werden.