Monographien

Frankfurt 1988

 

 

Aus dem Vorwort:

Die internationale Verflechtung der Finanzmärkte, meist als Globalisierung bezeichnet, ist für die großen westlichen Industrieländer, aber auch darüber hinaus, längst zu einer Realität geworden. Die moderne Kommunikationstechnik hat die Voraussetzungen dafür geschaffen und die Information über finanzielle Daten rund um den Globus allgegenwärtig gemacht. Ein Netz weltumspannender internationaler Kreditmärkte konnte so entstehen. Dennoch hat das Zusammenwachsen der Wertpapiermärkte bisher nicht dazu geführt, daß Finanztitel in unterschiedlichen Währungen und Emissionsländern ähnlich enge Substitutionsbeziehungen wie auf den Binnenmärkten aufweisen. Die vorliegende Arbeit geht den Ursachen der internationalen Zinsdifferenzen nach. Die Untersuchung richtet sich auf den Zusammenhang der Renditen langfristiger Rentenwerte unterschiedlicher Währungen. Es handelt sich insofern um eine Partialanalyse der Zins- und Wechselkursbedingungen für weltweite Bestandsgleichgewichte auf den Kapitalmärkten. Dabei bleiben Interdependenzen zwischen den Kapitalmärkten und den sonstigen Kreditmärkten außer Betracht. Der Verfasser möchte zeigen, daß auftretende internationale Zinsdifferenzen nicht nur durch Änderungen von Wechselkurserwartungen entstehen und bestimmt werden, sondern auch von anderen wesentlichen Faktoren beeinflußt werden, die perfekten Substitutionsbeziehungen -und damit der Gleichheit von um Wechselkursänderungserwartungen bereinigten Zinsen -entgegenstehen. Ausführlich werden die Wirkungen von Transaktionskosten, Zinsertragsteuern und unterschiedlichen unsicheren Erwartungen der Marktteilnehmer auf Zinsdifferenzen zwischen verschiedenen Währungsräumen analysiert. Diese Faktoren beeinflussen die Anlageentscheidungen der Investoren derart, daß auch im Marktgleichgewicht erwartete Wechselkursänderungsraten nicht den Zinsdifferenzen entsprechen und internationale Zinsparität sich nicht einstellen wird. Von besonderem Interesse dürfte der Befund sein, daß bei Besteuerung nach dem Nominalwertprinzip in Ländern mit relativ hohen Inflationsraten langfristig ein niedrigeres Realzinsniveau nach Steuern bestehen wird als in Ländern mit durchschnittlich geringeren Inflationsraten. Auch international vollkommen harmonisierte Steuersysteme können dies nicht verhindern, wobei allerdings vorausgesetzt werden muß, daß Kapital nicht aus derartigen Gründen abwandert. Die Berücksichtigung von Steuerumgehungsmöglichkeiten, z.B. über Off - shore-Kapitalmärkte, führt den Verfasser zu der Schlußfolgerung, daß durch das Zusammenspiel von Zinsertragsteuern auf der einen Seite und Steuerumgehungen auf der anderen, die nominalen und realen Zinsniveaus, das Sparaufkommen und das Investitionsvolumen sich anders entwickeln als in einer Welt ohne Steuern. Nur eine vollkommene Beseitigung der Zins- bzw. Kapitalertragsteuern sowie der Absetzbarkeit der Zinsaufwendungen vom zu versteuernden Ertrag würde diese steuerbedingten Verzerrungen aufheben.

 

Veröffentlicht im Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main. Dieser Band ist vergriffen, kann aber gerne in der Bibliothek des Center for Financial Studies eingesehen werden.