Die VWL auf Sinnsuche – was sich in der Lehre verändern muss

15 December 2016
17:30  - 19:00

Dr. Philip Plickert, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Lehrbeauftragter an der Universität Siegen

Kaum eine Wissenschaft ist so mächtig und einflussreich wie die Wirtschaftswissenschaft. Aber mit Ausbruch der Finanzkrise vor gut acht Jahren ist sie in eine Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise geraten. Schon vorher gab es latentes Misstrauen in der Öffentlichkeit gegen die Ökonomen. Es gibt vielfältige Kritik: an realitätsfernen Modellen, welche die Krise nicht vorhersagen konnten; an der übertriebenen Mathematisierung, die zum Selbstzweck verkommen zu sein scheint; an Gleichgewichtsmodellen, die sich zu sehr an der Physik orientieren; und am zu eindimensionalen Menschenbild des Homo Oeconomicus. Viele Mainstream-Ökonomen blenden institutionelle, politische, historische und andere sozialwissenschaftliche Fragen aus. Studierende kritisieren zu viel Formelpaukerei und zu wenig Gelegenheit für kritisches Nachdenken und Diskutieren.


Philip Plickert stellt Thesen aus seinem jüngst erschienenen Buch „Die VWL auf Sinnsuche“ (Frankfurter Allgemeine Buch-Verlag, 2016) vor und plädiert dafür, besonders die Wirtschafts- und Finanzgeschichte sowie die Dogmengeschichte in der universitären Lehre neu zu beleben und mehr wertzuschätzen. Über zu viele Jahre wurden Wirtschafts- und Dogmengeschichte vernachlässigt und aufs Abstellgleis gestellt. Es bildete sich eine Mainstream-Ökonomie heraus, die zu einer Monokultur (Andy Haldane) wurde. Die Folge dieser verengten Ausbildung war eine Generation von geschichtsvergessenen Ökonomen, welche die Great Moderation für das „Ende der Geschichte“ ansah und die angesichts der Krise 2008 sprachlos wirkte. Spätestens diese hat aber gezeigt, dass es kein „Ende der Geschichte“ und auch kein Ende der Wirtschaftsgeschichte gibt, sondern dass wir aus vorangegangenen (Finanz-)Krisen lernen können und müssen.

 

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