Beiträge zum CFS Colloquium

Editor:

Jan Pieter Krahnen (Center for Financial Studies & Goethe University Frankfurt)

Published by Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 2012. Available at all bookstores. ISBN 978-3-8314-2619-5. Price: 22.50 €.

Table of Contents:

  • Dr. Josef Ackermann: Mehr Stabilität für die globalen Finanzmärkte – Die Sicht der Banken
  • Dr. H. Onno Ruding: From National to European Regulation. Towards European Financial
  • Supervisory Authorities
  • Dr. Reto Francioni: Wertpapierhandel im Umbruch: Chancen für Börsen und ihre Kunden
  • Prof. Charles Goodhart: New Architecture for Financial Regulation
  • José Viñals: Towards a Safer Global Financial System
  • Dr. Axel Wieandt: Bewältigung der Finanzkrise: Beobachtungen und Anmerkungen
  • Nout Wellink: Rebuilding the Financial Sector

Preface (only available in German):

Die Beiträge dieses Sammelbandes basieren auf Vorträgen, die in 2010 im Rahmen der Vortragsreihe CFS Colloquium gehalten wurden. In diesem Zeitraum wurden wichtige Reformschritte für den nationalen und den internationalen Finanzmarkt vorangebracht, darunter zentral die Stärkung der Kapitalanforderung für Banken (Basel III), die Gründung des der EZB angegliederten Ausschusses für Systemisches Risiko (European Systemic Risk Board) und die Vorbereitung und Verabschiedung des Bankenrestrukturierungesetzes in Deutschland. Die Definition von systemisch relevanten Instituten und letztendlich auch die Messung von systemischem Risiko haben im Alltag der Aufsichtsbehörden eine hohe Bedeutung erlangt, wobei besonders bei diesem Thema die Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis eine größere Bedeutung gewinnt.

 

Die Beiträge dieses Bandes sind verfasst von den herausragenden Rednern des letztjährigen CFS-Colloquiums: Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes und des Group Executive Committees der Deutschen Bank AG, Dr. H. Onno Ruding, Chairman des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel und von 1982-1989 Finanzminister der Niederlande, Dr. Reto Francioni, seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, Prof. Charles Goodhard von der London School of Economics and Political Science, José Viñals, Financial Counselor und Direktor der Abteilung Monetary and Capital Markets beim Internationalen Währungsfond sowie Nout Wellink, dem Präsidenten der niederländischen Zentralbank „De Nederlandsche Bank“.

 

In sehr unterschiedlichen Funktionen sind alle Redner der diesjährigen Colloquiumsreihe an vorderster Linie in die umwälzenden Ereignisse eingebunden, denen ein großangelegter Regulierungsschub nun versucht Einhalt zu gebieten. Wir haben deshalb in diesem Jahr gebeten, aus ihrer Sicht und persönlichen Erfahrung zu dem Jahresthemas der Colloquiums­reihe 2010 beizutragen: „Wiederaufbau der Finanzmärkte / Rebuilding Financial Markets“. Nach der schweren Bankenkrise der Jahre 2008 und 2009 war das Jahresthema mit Bedacht gewählt. Ein „Weitermachen wie bisher“ schien ausgeschlossen, zu schwer waren die Verwerfungen auf den Märkten für komplexe Wertpapiere, sowie insbesondere auf den Interbankmärkten. Das Jahresthema richtete sich im Sinne einer Rahmenfragestellung an führende Vertreter von Banken, Börsen, Zentralbanken, Bankenaufsicht und Wissenschaft. Von allen Seiten wurden erstklassige und in der Aussage zum Teil sehr unterschiedliche Vorträge gehalten. Dennoch gab es bemerkenswerte Übereinstimmung in einigen zentralen Fragen. Hierzu zählt die allgemein erwartete große Bedeutung des systemischen Risikos für die Regulierung und die Rolle internationaler Koordination der nationalen Aufsichten. Unterschiedliche Einschätzungen finden sich dagegen bei Themen wie der neu eingeführten Leverage-Ratio für systemisch relevante Banken, aber auch bei der Einschätzung auf die Wachstumschancen für die Finanzindustrie selbst.

 

In seiner Rede konzentrierte sich Dr. Ackermann auf wesentliche Maßnahmen zur Neugestaltung des globalen Finanzsystems. Dabei betonte er die Notwendigkeit der Abstimmung zwischen dem Exptertendiskurs und der öffentlichen Debatte zum Thema Finanzmarktreform. Der Finanzmarkt kann seiner Rolle als Erbringer von Finanzdienst­leistungen für die Realwirtschaft nur dann gerecht werden, wenn Konsensus bezüglich dem angestrebten Typ von Finanzmarkt herrscht. Dr. Ackermann lehnte sowohl eine Rückkehr zum überregulierten Finanzmarkt als auch ein Bankensystem mit Schwerpunkt auf traditionellen Banktätigkeiten, in dem die Finanzinnovation ausgeschaltet wird, ab. Er erwähnte spezifische Massnahmen, die zu einem robusten Finanzsystem beitragen: makro-prudentielle Aufsicht, Reform der Kapitalanforderungen und des Liquiditätsmanagements der Finanzinstitute, Gestaltung eines effizienten Krisenbewältigungsmechanismus und eine kompetente Aufsicht mit erweiterten Eingriffsbefugnissen.

 

Dr. Onno Ruding skizzierte die wichtigsten Elemente der Reform im Bankensektor im Spannungsfeld zwischen drei widersprüchlichen Zielen: Finanzmarktstabilität, nationale Regulierung und Integration der Finanzmärkte. Ruding erwähnte die Verschärfung der Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen, die Verbesserung der Risikomanagementsysteme der Banken, eine verstärkte EU-weite Kooperation im Bereich der Bankenregulierung und Aufsicht im Sinnes des endgültigen Larosière – Berichts, und nicht zuletzt die Festlegung von Prioritäten innerhalb des Larosière – Berichts. Weiterhin bemängelte Ruding das von Paul Volcker vorgeschlagene Verbot von Eigenhandel für Banken und bezweifelte die Effektivität von Steuern als Anreiz für eine konservative Riskostrategie der Banken.

 

Dr. Reto Francioni erläuterte die Positionierung der Deutschen Börse im Hinblick auf die regulatorischen und technologischen Umwälzungen der letzten Jahre. Er betonte, dass die genannten strukturellen Änderungen von der Deutschen Börse als Wachstumchance wahrgenommen wurden. Technologische Überlegenheit, Effizienz, hohe Liquidität und kritische Masse sind nur einige der Erfolgsfaktoren, die dazu beigetragen haben. Im Anschluss erwähnte Francioni die Eckpunkte der Wachstumstrategie der Deutschen Börse in den nächsten Jahren: Erweiterung der vorhandenen Produktlinien, Entwicklung neuer Produktsegmente, Erschliessung neuer Märkte in Osteueropa und Asien sowie auch vertikale und horizontale Erweiterung ihrer Tätigkeiten.

 

Prof. Charles Goodhart beschrieb die relevanten Dimensionen der neuen Finanzarchitektur, insbesondere die Krisenprävention, verbesserte Mechanismen zur Krisenbewältigung und deren strukturelle Implikationen. Im ersten Teil seiner Reder erwähnte Goodhart die gegenwärtig erwogenen Instrumente zur Krisenprävention: strikte Kapitalanforderungen, Bankensteuer, Verbot des Eigenhandels, Trennung von „nützlichem“ Banking vom „Casino Banking“, sowie auch die Revision des Vergütungssystems für Manager. Nach einem historischen Überblick über die Entwicklung der Kapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken, äußerte sich Goodhart zu verschiedenen Aspekten der Basel III Reform. Er lobte die Einführung des einfachen Verschuldungsgrades angesichts der mit Unsicherheit behafteten Risikomessung im Tier-1-Kapital, bemängelte aber den übermäßigen Schwerpunkt auf Banken.

 

Zu Beginn seiner Rede erklärte José Viñals die Hintergründe der Finanzkrise und deren Auswirkungen. Als wichtige Voraussetzungen für den Erfolg der Reform des globalen Finanzsystems identifizierte Viñals eine global koordinierte mikroprudentielle Regulierung, eine effektive Aufsicht, nationale und grenzüberschreitende Restrukturierungsmechanismen für Finanzinstitute sowie auch einen gesetzlichen Rahmen für eine makroprudentielle Aufsicht. Im zweiten Teil seines Votrags schilderte Viñals die Hauptelemente einer effektiven makroprudentiellen Aufsicht, deren Objektive, Instrumente, institutionelle Besonderheiten sowie auch die Wechselwirkung mit der Geldpolitik. Viñals distanzierte sich von einer Neudefinition der Ziele der Geldpolitik, mit Einbeziehung der Finanzstabilität gleichberechtigt neben der Preisstabilität, wies aber auf die Notwendigheit hin, die Finanzstabilität als zusätzliche Dimension im Entscheidungsprozess der Geldpolitik zu integrieren.

 

Dr. Axel Wieandt schilderte zunächst die Umstände, die zur Pleite der Hypo Real Estate geführt haben und die regulatorischen Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Die umfassende Fristentransformation der irischen Tochtergesellschaft Depfa führte zur Liquditätskrise von HRE, gefolgt von einer Solvabilitätskrise Ende 2008, als die Finanzkrise sich auf die irische Realwirtschaft erstreckte. Am Beispiel HRE wies Wieandt auf die ernsten Konsequenzen hin, die die unzureichende Kapitalausstattung einer Bank auf das systemische Risiko haben kann. In diesem Sinne stimmte Wieandt der Basel III Reform in groben Zügen zu, wies aber auf die potentiellen Marktverzerrungen hin, die von zu strikten und fragmen­tierten Regelungen herbeigeführt werden können. Weiterhin begrüßte Wieandt die Ansätze zur Regulierung systemrelevanter Institute, so zum Beispiel die bundesrechtlichen Abwick­lungs­anstalten in Deutschland, beleuchtete aber auch potentielle Schwächen dieser Ansätze.

 

Im ersten Teil seines Vortrags bot Nout Wellink einen kurzen Überblick über die makroökonomischen Ursachen der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Die regulatorischen Herausforderungen, die sich aus einer konsequenten Auseinandersetzung mit den Schwächen des globalen Finanzsystems ergeben, schliessen sowohl bankspezifische Maßnahmen ein, so zum Beispiel strikte Kapital- und Liquiditäts­anforderungen, als auch solche, die systemweite Risiken betreffen. Der konzeptuelle Rahmen für die zuletzt genannten Risiken wurde von dem Finanzstabilitätausschuss entworfen und beim G20 Treffen im November vorgestellt. Wellink betonte die Relevanz der makro-prudentiellen Aufsicht für die Eindämmung der systemischen Risiken, zusätzlich zu den bankspezifischen Risiken, die bislang im Vordergrund standen.

 

Die Beiträge dieser Ausgabe bieten einen detaillierten Überblick über die unterschiedlichen Positionen in der Forschungsgemeinschaft und Praxis zum Thema Neugestaltung des internationalen Finanzsystems. Damit wird dieser Band zu einer kompetenten Referenz und einem relevanten Ausgangspunkt für die öffentliche Diskussion im deutschen und internationalen Finanzsystem.