Beiträge zum CFS Colloquium

Editor:

Jan Pieter Krahnen (Center for Financial Studies & Goethe University Frankfurt)

Frankfurt am Main, 2010

    

Table of Contents:

  • Peer Steinbrück: Finanzplatz Deutschland: Wachstum oder Krise?
  • Dr. Josef Ackermann: Strategieentwicklung im Spannungsfeld globaler und nationaler Orientierung
  • Dr. Siegried Jaschinski: Zwischen privatem Wettbewerb und öffentlicher Trägerschaft: Strategie der Landesbanken
  • Johannes P. Huth: Entwicklungsperspektiven für das Privat-Equity-Geschäft in Europa

Preface (only available in German):

Die Beiträge dieses Sammelbandes basieren auf Vorträgen, die zwischen Februar 2008 und April 2009 im Rahmen der Vortragsreihe CFS Colloquium gehalten wurden. Dieser Zeitraum unmittelbar nach der ersten Phase der Kreditkrise war u. a. gekennzeichnet durch den Zusammenbruch einzelner Banken wie Bear Stearns (USA), Northern Rock (Großbritannien) und der deutschen Institute IKB und Sachsen LB. Auf diese noch vergleichsweise ruhige Phase folgte mit dem Kollaps der Investmentbanken Lehman Brothers, Merril Lynch und Wachovia der vorläufige Höhepunkt der Finanzkrise, der einen weltweiten Vertrauensverlust und tiefgreifende Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten mit sich brachte. Die Vorträge im CFS Colloquium 2008 spiegeln die Einschätzungen führender Persönlichkeiten des deutschen Finanzsystems wider, die in den meisten Fällen noch vor der Eskalation der Krise getroffen wurden. Die Beiträge dieses Bandes stammen von Peer Steinbrück, von 2005 bis 2009 deutscher Finanzminister, Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes und des Group Executive Committees der Deutschen Bank AG, Dr. Siegfried Jaschinski, zwischen 2005 und Juni 2009 Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie Johannes Huth, Head of European Operations, Kohlberg Kravis Roberts & Co. Ltd.

Finanzminister Steinbrück skizziert in seinem Beitrag vom Februar 2008 die grundlegenden Prinzipien, der die staatliche Intervention im Bankensektor bis Anfang 2008 unterlag. Das Hauptaugenmerk der Verantwortlichen richtete sich zu diesem Zeitpunkt auf die Aufrecht­erhaltung eines funktionierenden Marktes, auf die Bereitstellung notwendiger Liquidität sowie auf die Sicherstellung der Solvenz einzelner in Schwierigkeiten geratener Häuser. Die ergrif­fenen Maßnahmen werden eingehend beschrieben und ihre Wirkungen bewertet. Der Notfall­charakter der Eingriffe wird dabei noch einmal deutlich. In der Rückschau fällt auf, dass die Notwendigkeit einer makroprudenziellen Aufsicht und einer international abgestimmten Vorgehensweise bei der Bewältigung dieser Krise zu diesem Zeitpunkt noch keine wichtige Rolle in der Diskussion spielen.

Dr. Ackermann beschreibt in seinem Vortrag vom April 2008 das Spannungsfeld, das zwischen einer globalen und einer nationalen Orientierung der Bankstrategie entsteht. Gerade in der Stärke einer Institution im Heimatmarkt läge eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche globale Expansion. Diese Erkenntnis sieht Ackermann insbesondere auch während der Finanzkrise 2007-2008 bestätigt, in der sich die nationale Unterstützung für viele Institute als lebensnotwendig erwies. Mit Blick auf die Situation der Wettbewerber während der Krise beschreibt Dr. Ackermann die Lage der Deutschen Bank als relativ robust. Diese relative Stärke in der Krise führt er nicht zuletzt auf ein solides Geschäftsmodell sowie ein starkes Risikomanagement seines Hauses zurück.

Johannes Huth, Head of European Operations, Kohlberg Kravis Roberts & Co. Ltd. (KKR), beleuchtet die potenzielle Rolle von Private Equity Firmen während der Krise. Er betont deren Rolle als aktive Investoren, welche quasi treuhänderisch das Vermögen ihrer Investoren verwalten – im Falle von KKR das Vermögen staatlicher Pensionsfonds, von Universitäts­stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen. Während der Krise konnten Private Equity Gesellschaften ihre Expertise und Fähigkeiten als Restrukturierer und Krisenmanager unter Beweis stellen und sogar weiter ausbauen. Als Eigentümer der Firmen führten sie diese durch die Krise. Dabei nahmen sie gezwungenermaßen eine langfristige Perspektive auf die Unternehmensentwicklung ein. Als eine weitere Herausforderung identi­fizierte Huth den eingeschränkten Zugang zu Krediten.

Dr. Siegfried Jaschinski, Vorstands­vorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), erläutert in seinem im Dezember 2008 gehaltenen Vortrag, dass die deutschen Landesbanken auch nach der Krise eine wichtige Rolle spielen werden. Sein positiver Ausblick basiert auf der Annahme einer erfolgreichen Restrukturierung und Konsolidierung des Landes­bankensektors, einer signifikanten Reduzierung der risikogewichteten Aktiva sowie einer Neuausrichtung des Geschäftsmodells der Landesbanken. Darüber hinaus betont er die Bedeutung der Sicherungssysteme, die durch die Eigentümer der Landesbanken – d.h. durch die lokalen Sparkassen und deren Verband – getragen wird. Dr. Jaschinski spricht sich gegen eine „Super-Landesbank“ aus. Eine solche Institution würde sich großen administrativen Schwierig­keiten gegenüber sehen. Unabhängig davon, wie sich die Konsolidierung der Landesbanken vollziehen wird, würden die verschmolzenen Institute letztlich ein breites Portfolio abdecken müssen – jenseits ihrer Funktion als Dienstleister der Sparkassen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Beiträge dieser Ausgabe bieten eine detaillierte und aufschlussreiche Innensicht auf das deutsche Finanzwesen inmitten der größten Finanzkrise seit vielen Jahrzehnten. Damit wird dieser Band für Analysten und Kommentatoren des deutschen Finanzsystems zu einer wertvollen Quelle und einem relevanten Bezugspunkt für die öffentliche Diskussion.

Published by Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main. Obtainable at all bookstores.

ISBN 978-3-8314-2618-8

Costs:

€ 17,80